Strategie

Employer Branding für KMU: Was ohne Budget funktioniert

Es gibt Dinge, mit denen KMU nicht gegen große Unternehmen antreten können. Gehalt ist eines davon, zumindest nicht in der oberen Liga. Markenbekanntheit ein anderes. Wenn BMW oder REWE eine Stelle ausschreiben, bewerben sich Menschen, die den Namen kennen. Das ist ein struktureller Vorteil, den ein 25-Personen-Unternehmen einfach nicht hat.

Aber Employer Branding bedeutet nicht, in diese Kategorien zu investieren. Es bedeutet, in die Kategorien zu investieren, die tatsächlich etwas bringen, und dort sind KMU oft im Vorteil. Man muss nur wissen, wo.

Was nicht funktioniert (und trotzdem empfohlen wird)

Employer Branding wird häufig als Marketing-Aufgabe verkauft. Hochwertige Imagevideos, aufwendige Karriereseiten, Social-Media-Kampagnen. Das können Konzerne sich leisten. KMU können es auch, aber die Frage ist, ob es sich lohnt.

Unsere Einschätzung nach vielen Besetzungsprozessen: Für KMU unter 100 Mitarbeitern bringen diese Investitionen selten mehr als organische Maßnahmen. Der Grund ist simpel: Kandidaten, die sich bei einem unbekannten Unternehmen bewerben, haben einen direkten Anlass, sei es eine Stellenanzeige, eine Empfehlung oder eine direkte Ansprache. Sie tun das nicht aufgrund eines Imagevideos.

Verbreiteter Irrtum: "Wir brauchen erst eine tolle Karriereseite, dann können wir rekrutieren." In Wahrheit: Die beste Karriereseite ersetzt keine sinnvolle Stellenbeschreibung und keinen professionellen Bewerbungsprozess. Fangen Sie dort an.

Was KMU besser können als Konzerne

Es gibt echte Vorteile kleiner Unternehmen, die Kandidaten schätzen. Aber man muss sie kommunizieren, und das konsequent und ehrlich.

Geschwindigkeit bei Entscheidungen

Ein KMU kann einem Kandidaten Montag ein Angebot machen, das Freitag des Gesprächs war. Ein Konzern braucht dafür 4 bis 6 Wochen mit drei Genehmigungsstufen. Für aktiv suchende Kandidaten ist das ein erheblicher Vorteil. Kommunizieren Sie ihn explizit: "Unsere Entscheidungen treffen wir in der Regel innerhalb von 3 Werktagen."

Direkter Kontakt zur Führung

Im Konzern arbeitet ein Teamleiter für einen Abteilungsleiter, der für einen Bereichsleiter arbeitet, der die Geschäftsleitung einmal im Quartal sieht. Im KMU redet man mit dem Inhaber oder der Geschäftsführerin direkt. Für viele Kandidaten ist das kein Nachteil, es ist ein Hauptargument.

Sichtbare Wirkung der eigenen Arbeit

Wer bei einem 200-Milliarden-Konzern arbeitet, baut an einem kleinen Teil von einem kleinen Teil. Wer bei einem 20-Personen-Unternehmen arbeitet, sieht, was ihre Arbeit bewirkt. Das ist für bestimmte Kandidatentypen sehr attraktiv, vorausgesetzt, man spricht es aus.

Flexibilität

Remote, Gleitzeit, individuelle Regelungen, KMU können das oft schneller umsetzen als Konzerne, die Betriebsvereinbarungen und HR-Richtlinien haben. Diese Flexibilität ist ein Argument, wenn sie real ist und nicht nur auf dem Papier steht.

Drei Dinge, die nichts kosten

1. Eine ehrliche Stellenbeschreibung

Die meisten Stellenbeschreibungen lesen sich wie Marketing. "Dynamisches Umfeld, flache Hierarchien, herausfordernde Aufgaben." Kandidaten lesen das und wissen: Das könnte überall stehen.

Was auffällt und echtes Vertrauen aufbaut: eine Beschreibung, die sagt, was wirklich Sache ist. Inklusive der Schwierigkeiten. "Das Team ist gerade in einer Aufbauphase, Prozesse sind noch nicht alle dokumentiert, wer das schätzt, ist bei uns richtig. Wer klare Strukturen braucht, eher nicht."

Das schreckt ab. Aber es zieht die richtigen Kandidaten an.

2. Schnelle, professionelle Kommunikation

Eingangsbestätigung innerhalb von 24 Stunden. Feedback innerhalb von 5 Werktagen. Absage mit einem echten Satz Begründung. Diese drei Dinge kosten keine Zeit und kein Geld, sie kosten nur Disziplin.

Kandidaten, die gut behandelt wurden, auch wenn es nicht geklappt hat, empfehlen das Unternehmen weiter. Das ist die günstigste Form von Employer Branding.

3. Ehrlichkeit im Gespräch

Im Interview gut zuhören, auf Fragen ehrlich antworten, keine Erwartungen aufbauschen. "Wir sind noch dabei, unsere Prozesse zu strukturieren" ist eine bessere Antwort als eine blumige Beschreibung von Strukturen, die nicht existieren.

Kandidaten, die eine ehrliche Unternehmensdarstellung erleben, kommen besser informiert in die Stelle. Das bedeutet weniger Enttäuschungen nach drei Monaten und weniger frühe Abgänge.

LinkedIn-Präsenz: Was wirklich nötig ist

LinkedIn wird als Employer-Branding-Kanal häufig überschätzt, wenn man von "Content-Strategie" und "regelmäßigen Posts" spricht. Für KMU ist die Messlatte viel niedriger:

  • Vollständiges Unternehmensprofil: Logo, Beschreibung, Website, Mitarbeiterzahl, Branche. Das prüfen Kandidaten vor dem Gespräch.
  • Stellen auf LinkedIn: Kostenlose Stellenausschreibungen auf LinkedIn sind für viele Rollen ausreichend, besonders wenn die Stelle gut formuliert ist.
  • Gründer und Führungskräfte mit aktivem Profil: Wenn jemand aktiv sourcing betreibt oder auf Nachrichten reagiert, ist das bereits ein Qualitätssignal.

Mehr braucht es nicht. Ein regelmäßiger Unternehmensblog und 3-mal-die-Woche-Posts sind nice to have, aber kein Muss für erfolgreiche KMU-Besetzungen.

Die Stellenbeschreibung als erstes Markensignal

Die Stellenbeschreibung ist das erste, was ein Kandidat von deinem Unternehmen liest. Sie ist gleichzeitig dein bestes Employer-Branding-Instrument, weil sie den Menschen erreicht, der gerade relevantes Interesse hat.

Eine gute Stellenbeschreibung für ein KMU hat:

  1. Einen ersten Absatz, der das Unternehmen in 3 Sätzen erklärt (nicht "Wir sind ein dynamisches Unternehmen", sondern: was, für wen, wo)
  2. Eine klare Beschreibung, was die Person konkret tun wird (nicht "Verantwortung übernehmen", sondern "In den ersten drei Monaten...")
  3. Was das Unternehmen bietet, ehrlich, ohne Übertreibung
  4. Was es nicht bietet, das differenziert
  5. Einen klaren Bewerbungsweg mit realistischer Zeitangabe

Kleiner Test: Geben Sie deine Stellenbeschreibung jemandem zu lesen, der dein Unternehmen nicht kennt. Kann sie oder er danach sagen, was das Unternehmen macht, wer die richtige Person für die Stelle ist, und was sie im ersten Monat tun wird? Wenn nicht: nachschärfen.

Wenn du sich bei der Formulierung deiner Stellenbeschreibung oder beim Aufbau eines einfachen Employer-Branding-Ansatzes Unterstützung wünschen, sprechen wir das gerne im Erstgespräch durch. Mehr dazu auch auf unserer Active-Sourcing-Seite.

Recruiting für dein Unternehmen

Wir helfen KMU und Startups, attraktiv für die richtigen Kandidaten zu sein, ohne großes Budget, mit echten Argumenten.

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Maja Catrin Schulze, Recruiterin bei RecruitingKlar
Maja Catrin Schulze Recruiterin bei RecruitingKlar

Maja begleitet KMU und Startups im gesamten Recruiting-Prozess und kennt aus vielen Gesprächen mit Kandidaten, was diese bei ihrer Entscheidung wirklich beeinflusst.